Kurz gesagt:
- Für kritische TGA-Bauteile sind mindestens LOG 300 für Kollisionsprüfungen erforderlich, während niedrigere Stufen nur Platzhalter bieten.
- Der LOIN-Anhang ist eine strukturierte Tabelle, die projektbezogene Anforderungen an Geometrie und Attribute eindeutig festlegt und automatisierte Prüfregeln ermöglicht.
- Bei der Modellierung sollten LOG-Anforderungen nach Meilensteinen und Bauteilkritikalität selektiv festgelegt werden, um Zeit und Kosten effizient zu steuern.
- IFC-Exporte liefern meist geometrische Daten gut, allerdings gehen semantische Attribute durch nicht standardisierte PropertySets häufig verloren.
- Die Nutzung von differenzierten LOG-Stufen, insbesondere bei großen Modellen, verbessert die Modellperformance und verhindert unnötige Ladezeiten.
Was bedeuten LOD, LOG, LOI und LOIN genau?
Fangen wir mit der Verwechslung an, die in fast jedem Koordinationsmeeting passiert: LOD wird munter für Geometrie und Information benutzt, dabei sind das zwei getrennte Achsen. LOG (Level of Geometry) beschreibt, wie detailliert ein Bauteil modelliert ist, vom groben Blockvolumen bis zur maßhaltigen Einzelkomponente. LOI (Level of Information) beschreibt die alphanumerischen Attribute, also Herstellerdaten, Anschlusswerte, Wartungsintervalle. LOD selbst ist historisch schwammig, weil unterschiedliche Länder und Normen unterschiedliche Skalen darunterlegen.
Genau deshalb hat sich die Fachwelt mit DIN EN 17412-1 auf den Begriff LOIN verständigt. LOIN steht für „Level of Information Need“ und beschreibt bedarfsorientiert, was ein Modell zu einem bestimmten Zweck liefern muss, statt starr eine der alten 100-500-Stufen abzuarbeiten. Wo diese Anforderungen vertraglich landen? In der AIA (Auftraggeber-Informationsanforderungen) und operativ im BAP (BIM-Abwicklungsplan).
- LOG = geometrische Ausprägung eines Bauteils
- LOI = alphanumerische Attribute und Metadaten
- LOD = umgangssprachlicher Sammelbegriff, historisch uneinheitlich
- LOIN = normierte, bedarfsorientierte Anforderungsbeschreibung nach DIN EN 17412-1
Welche LOG-Stufen gibt es und was bedeuten sie für TGA-Bauteile?
Die 100-500-Skala stammt ursprünglich aus dem amerikanischen BIMforum-Umfeld, hat sich aber auch hierzulande als praktische Faustregel etabliert, obwohl LOIN sie formal ablöst. Für TGA-Komponenten lässt sich das so übersetzen:
- LOG 100: Störkörper, reine Platzhalterquader. Eine Lüftungszentrale ist an dieser Stelle nur ein Kubus mit ungefährem Volumen.
- LOG 200: Grobe Form und Platzbedarf. Der Schaltschrank bekommt Umrisse, aber noch keine Anschlussdetails.
- LOG 300 und optional LOG 350: Ausführungsrelevante Geometrie. LOG 350 gilt als Zwischenschritt mit weiteren Details wie Schnittstellen und Revisionsöffnungen.
- LOG 400: Montagefertige Geometrie mit exakten Anschlussmaßen, etwa bei Ventilgruppen oder Verteilern.
- LOG 500: As-Built, also das dokumentierte Ergebnis nach Einbau.
Bei zentralen RLT-Anlagen zeigt sich der Unterschied besonders deutlich: LOG 100 reicht für die frühe Trassenplanung, aber sobald es um Wartungszugänge und Deckendurchbrüche geht, brauchen Sie mindestens LOG 350. Wer das zu spät merkt, plant zweimal.
Wie funktioniert der LOIN-Anhang für TGA in der Praxis?
DIN EN 17412-1 sagt im Kern: Weg von der generischen Skala, hin zu projekt- und aufgabenspezifischen Anforderungen. Was heißt das für die tägliche Arbeit? Ein LOIN-Anhang ist kein abstraktes Normendokument, sondern eine Tabelle, die Sie tatsächlich benutzen.
Ein prototypischer LOIN-Anhang für TGA enthält typischerweise:
- Eine Modellelement-Matrix, die jedes Bauteil einem Meilenstein zuordnet
- Pflicht-Properties wie das Anlagenkennzeichen, ohne das keine spätere Wartungsplanung funktioniert
- Klare LOG- und LOI-Werte pro Meilenstein, nicht pauschal fürs ganze Projekt
- Eine Struktur, die sich direkt in Prüfregeln für Modellprüfsoftware exportieren lässt
Der letzte Punkt ist der eigentliche Gewinn: Weil LOIN maschinenlesbar strukturierbar ist, lassen sich Prüfregeln automatisiert importieren und exportieren, statt jede Modellübergabe manuell durchzuklicken.
Welcher LOG passt zu welcher Planungsphase?
Hier liegt der Punkt, an dem die meisten Projekte Zeit verlieren, entweder weil zu früh zu viel modelliert wird, oder weil in der Ausführung plötzlich Geometrie fehlt, die schon vor Wochen hätte da sein müssen. Eine Faustregel: Der minimale LOG orientiert sich an der HOAI-Leistungsphase, mit projektbezogenen Ausnahmen für kritische Bauteile.
Drei Quick-Checks, die sich in der Praxis bewährt haben:
- Kollisionsprüfung: Kritische Bauteile brauchen LOG 300 oder höher, sonst prüfen Sie gegen Platzhalter, die die reale Kollision verschleiern.
- Mengenermittlung: Auch hier reicht LOG 300 selten aus für belastbare Zahlen, verlässliche Ausschreibungsmengen brauchen entsprechend detaillierte Geometrie.
- Montageplanung: Ohne LOG 400 fehlen die Anschlussmaße, die die Handwerker vor Ort tatsächlich brauchen.
Profi-Tipp: Legen Sie LOG-Anforderungen nicht pauschal fürs Gesamtmodell fest, sondern selektiv nach Bauteilkritikalität. Ein Schaltschrank in der Trafostation braucht LOG 400 schon in der Genehmigungsplanung, ein Kabeltrasse-Segment im Nebenraum reicht mit LOG 200 locker bis zur Ausführung. Diese Commitments gehören ins Leistungsverzeichnis, nicht in eine Fußnote.
Diese Prüfschritte lassen sich sauber an Meilensteine koppeln, siehe dazu auch unsere Hinweise zur Kollisionsprüfung in der TGA.

Wie mappt man LOIN auf IFC, AIA und Prüfregeln?
IFC ist das offene Austauschformat, das buildingSMART pflegt, und genau hier passiert der eigentliche Bruch zwischen Anspruch und Realität. Geometrie kommt beim IFC-Export meist gut durch, semantische Informationen, also genau die LOI-Attribute, gehen dagegen häufig verloren, wenn PropertySets nicht standardisiert sind.
Praktisch bedeutet das für Ihr Mapping:
- Jedes Bauteil braucht eine eindeutige GUID, sonst lässt sich später nicht nachvollziehen, welches Element gemeint war
- PropertySets müssen projektweit einheitlich benannt sein, nicht jedes Gewerk erfindet seine eigenen Feldnamen
- Meilenstein-Kennzeichnungen gehören als Attribut ins Modell, nicht nur in eine separate Excel-Liste
- Der Weg von LOIN über AIA und BAP bis zur Prüfsoftware lässt sich als CSV- oder JSON-Mapping exportieren, das spart bei jeder neuen Modellübergabe manuelle Nacharbeit
Wer diese Schritte einmal sauber aufsetzt, muss sie nicht mehr für jedes Projekt neu erfinden. Mehr dazu in unserem Leitfaden zur IFC-Prüfung für TGA-Fachplaner.
Wie lässt sich die Modellperformance durch LOG-Strategien verbessern?
Große TGA-Modelle mit durchgängig hohem LOG werden schnell unhandlich, jeder, der schon mal ein Gesamtmodell mit 400er-Geometrie überall geöffnet hat, kennt die Ladezeiten. Die Lösung heißt selektive Detaillierung, nicht pauschale Reduktion.
- Geometrie gezielt vereinfachen, wo keine Kollisionsprüfung nötig ist
- Level-Swapping nutzen, also je nach Anwendungsfall zwischen LOG-Varianten wechseln, ohne das Bauteil neu zu modellieren
- Ersatzgeometrien für reine Freihaltebereiche verwenden statt echter Herstellergeometrie
Hersteller wie aquatherm bieten inzwischen adaptierbare LOD-Modelle für Ventile und Rohrleitungskomponenten an, bei denen sich der Detaillierungsgrad je nach Anwendungsfall einstellen lässt. Das zeigt die Richtung: Höhere LOG-Stufen nur für kritische Bauteile wie Schaltschränke, RLT-Anschlüsse oder Brandschutzklappen zu vergeben, senkt den Gesamtaufwand messbar, ohne dass irgendwo Qualität fehlt, wo es wirklich zählt.
IET-Hamburg-Perspektive: Was in der Praxis wirklich zählt
Nach Jahren in der Elektrotechnikplanung lässt sich eine Beobachtung nicht wegdiskutieren: Die meisten Nachträge entstehen nicht durch schlechte Planung, sondern durch unklare Modellanforderungen zwischen den Gewerken. Ein LOIN-Anhang für die Elektrotechnik sollte mindestens das Anlagenkennzeichen, Anschlussdaten wie Spannung und Leistung sowie Prüfattribute für die Inbetriebnahme enthalten, alles andere ist verhandelbar.
Die häufigste Projektfalle? Zu früh zu viel verlangen. Wenn der Auftraggeber schon in der Vorplanung LOG 400 für jedes Kabel fordert, bindet das Ressourcen, die in der Genehmigungsplanung fehlen. Strukturierte Modellübergabe mit klaren Meilensteinen reduziert Nachträge zuverlässiger als jede nachträgliche Detailoffensive.
Elektroplanung, die LOIN-Anforderungen von Anfang an mitdenkt
Für Architekten und Generalplaner gibt es spezialisierte Dienstleister, die die Arbeit übernehmen, die zwischen abstrakter Normvorgabe und funktionierendem Modell liegt: LOIN-Anhänge für die Elektrotechnik erstellen, Prüfregeln für Modellprüfsoftware festlegen und die Ergebnisse in der Bauüberwachung durchsetzen.

Ein Erstcheck läuft oft in drei Schritten: Zunächst ein Audit des bestehenden BAP oder der AIA, dann ein konkreter Maßnahmenvorschlag mit LOG-Stufen pro Meilenstein, danach die Umsetzung inklusive Koordination mit den anderen Gewerken. Die Verantwortung für Kosten- und Terminmanagement sollte idealerweise durchgängig in einer Hand liegen, von der Grundlagenermittlung bis zur Dokumentation nach HOAI. Wenn Ihr nächstes Projekt eine belastbare Elektroplanung braucht, sprechen Sie uns an. Wir schauen uns Ihren aktuellen BAP an und sagen Ihnen ehrlich, wo die Lücken liegen.
Quellen
Für die Normgrundlage lohnt sich DIN EN 17412-1 direkt, ergänzt durch den Muster-LOIN-Anhang von bimdeutschland.de als Arbeitsvorlage. Für IFC-Fragen sind die technischen Ressourcen von buildingSMART der richtige Startpunkt, für Hintergrundwissen die Fachartikel bei BauNetz Wissen und der AGT-Akademie.
FAQ
Für was steht TGA?
TGA steht für Technische Gebäudeausrüstung und umfasst alle technischen Anlagen eines Gebäudes, von Elektrotechnik über Heizung, Lüftung und Sanitär bis zur Gebäudeautomation.
Was ist der TGA-Bereich?
Der TGA-Bereich bündelt die Planung und Ausführung gebäudetechnischer Gewerke, also Elektro, HLK und Sanitär, die gemeinsam koordiniert werden müssen, damit ein Gebäude funktioniert.
Was ist eine TGA-Planung?
Eine TGA-Planung umfasst alle Leistungsphasen von der Grundlagenermittlung bis zur Bauüberwachung für gebäudetechnische Anlagen, inklusive der Festlegung von LOIN-Anforderungen für die BIM-Modellierung.
Was ist der Unterschied zwischen LOD und LOI?
LOD ist ein unscharfer Sammelbegriff, während LOI konkret die alphanumerischen Attribute eines Bauteils beschreibt, getrennt von der Geometrie, die LOG regelt.
Ab welcher LOG-Stufe lohnt sich eine Kollisionsprüfung?
Belastbare Kollisionsprüfungen für kritische TGA-Bauteile brauchen mindestens LOG 300, da niedrigere Stufen nur Platzhaltergeometrie ohne relevante geometrische Details liefern.