Ein Raumbuch TGA ist das maschinenlesbare Anforderungs- und Attributmodell auf Raumebene, das im BIM-Prozess automatisiert erzeugt, validiert und an das Facility Management übergeben wird. Kein Excel-Grab, in dem jeder Planer seine eigene Spaltenordnung pflegt, sondern ein strukturiertes Datenmodell, das am Ende Schnittstellen bedient: IFC, CAFM, Reporting.
Für TGA-Fachplaner heißt das konkret: Raumtypen definieren, Attribute pro Typ festlegen, dann im Modell zuweisen. Die Zielformate reichen von .xlsx-Reports bis zu datenbankgestützten CAFM-Lösungen, und der openBIM Use Case 11 beschreibt genau diesen Soll-Ist-Abgleich zwischen Anforderung und Modell als Kernmechanik.
Wer jetzt startet, sollte nicht mit der Vollständigkeit anfangen, sondern mit der Struktur:
- Raumtypenkatalog zuerst, dann die Einzelräume zuordnen
- Verantwortlichkeiten klären, bevor die erste Zeile befüllt wird
- Attribute so wählen, dass sie später ohne Handarbeit exportierbar sind
Wichtige Erkenntnisse
Ein Raumbuch TGA funktioniert nur, wenn Attribute von Anfang an maschinenlesbar strukturiert und über den gesamten Lebenszyklus konsequent gepflegt werden.
| Thema | Details |
|---|---|
| Struktur zuerst | Raumtypenkatalog vor Vollständigkeit definieren, sonst entsteht ein unpflegbares Datenchaos. |
| Norm als Fundament | VDI 6070 Blatt 1 liefert die Gliederungsstruktur für maschinenlesbare Rauminformationen über alle Phasen. |
| Format entscheidet Übergabe | IFC mit passender MVD oder standardisierte CSV/Excel-Reports sichern die CAFM-Integration. |
| Pflege braucht Rollen | Verantwortlichkeiten pro HOAI-Leistungsphase klar zuweisen, inklusive Versionierung und Rechteverwaltung. |
| Elektroplanung als Praxisbeispiel | IET-Hamburg GmbH übernimmt Attributdefinition, Exportmapping und Validierung für die TGA-Elektroplanung. |
Was gehört alles ins Raumbuch für die TGA?
Ein Raumbuch, das nur Flächen und Namen listet, ist für die TGA nutzlos. Es braucht die technischen Attribute, sonst bleibt es eine Verwaltungsliste ohne Substanz für Heizung, Lüftung, Elektro oder Sanitär.
Die Grundstruktur besteht aus fünf Blöcken. Erstens die Raumidentifikation: Raumnummer, Raumname, Raumtyp, Gebäudeteil, Referenzkennzeichen nach AKS oder vergleichbarem System. Zweitens die funktionalen Angaben, also Nutzung, Nutzerzahl, Belegungsprofile und die Zonierung, die sich meist an DIN 277 orientiert. Drittens kommen die TGA-Attribute selbst: Raumsolltemperatur, Heiz- und Kühllasten, Lüftungskategorie nach Raumnutzung, eventuell Medizinalgas-Anschlüsse im Klinikbau, Mindestluftwechselraten, Steckdosenbedarf je Arbeitsplatz, Beleuchtungsstärke in Lux. Viertens die Ausstattung: technische Geräte, Einbaumöbel, Prüffelder für Revisionsöffnungen, Brandschutzanforderungen wie Feuerwiderstandsklassen. Fünftens die Metadaten, die im Alltag gern vergessen werden, aber am Ende über die Nutzbarkeit entscheiden: wer ist verantwortlich, wer pflegt, wann wurde erfasst, welcher Prüfstatus liegt vor.

| Spaltengruppe | Beispielfelder | Maschinenlesbar? |
|---|---|---|
| Identifikation | Raumnummer, Referenzkennzeichen | Ja, Pflichtfeld |
| Funktion | Nutzung, Belegungsprofil | Teilweise, oft Freitext nötig |
| TGA-Attribute | Solltemperatur, Luftwechsel, Steckdosen | Ja, mit Einheit |
| Ausstattung | Geräte, Brandschutzklasse | Ja, als Kategorie |
| Metadaten | Verantwortlichkeit, Prüfstatus | Ja, als Status-Feld |
Profi-Tipp: Definieren Sie jedes TGA-Attribut mit fester Einheit im Feldnamen, also „Solltemperatur_Winter_°C“ statt nur „Temperatur“. Das spart später beim IFC-Export jede Menge Nacharbeit, weil Einheiten nicht mehr interpretiert werden müssen.
VDI 6070, ISO 19650 und openBIM: Welche Normen strukturieren das Raumbuch?
Wer sich fragt, warum sein Raumbuch am Ende bei der Übergabe scheitert, findet die Antwort meist in der Struktur, nicht im Inhalt. Genau da setzt VDI 6070 Blatt 1 an.
Die Richtlinie definiert eine Gliederungsstruktur über alle Lebenszyklusphasen hinweg, von der Konzeption bis zum Betrieb, und stellt Anforderungen an die maschinenlesbare Abbildung der Rauminformationen. Das ist kein bürokratischer Selbstzweck. Ein Attribut, das heute in der Planung erfasst wird, muss im Betrieb ohne Medienbruch weiterverwendbar sein. Die VDI selbst betont, dass Informationen so strukturiert sein müssen, dass sie schnittstellenfähig sind, nicht nur lesbar für den Menschen. Ergänzend liefern DIN-Auszüge zu VDI 6070 Anhänge mit Vorlagen für Raumbuchblätter und konkrete Hinweise zur digitalen Umsetzung.
ISO 19650 kommt aus einer anderen Richtung: Sie regelt das Informationsmanagement im BIM-Prozess, also wie Anforderungen (AIA) formuliert und über eine gemeinsame Datenumgebung (CDE) verwaltet werden. Das Raumbuch ist dabei ein Baustein, kein eigenständiges System.
buildingSMART liefert mit dem Use Case zum planungs- und baubegleitenden Raumbuch die Praxisreferenz für openBIM: ein modellbasierter, phasenübergreifender Single-Source-of-Truth-Ansatz. Die Konsequenz für Sie als Planer ist simpel formuliert:
- Attribute so anlegen, dass sie über IFC oder eine passende IFC-MVD exportierbar sind
- Standardisierte Excel- oder CSV-Strukturen als Fallback für Systeme ohne IFC-Import
- Keine raumspezifischen Freitextfelder für Werte, die eigentlich Zahlen mit Einheit sind
Wie entsteht das Raumbuch aus Revit, Allplan, ArchiCAD und DDScad?
Die Werkzeuge unterscheiden sich weniger im Ergebnis als im Weg dorthin. Wer das einmal verstanden hat, wählt seinen Workflow nach Projektgröße und nicht nach Softwarepräferenz.
Autodesk Revit ist bei vielen TGA-Büros das Standardwerkzeug für die Raumbuch-Extraktion, weil Parameter direkt an Räume gebunden und über Planungslisten ausgegeben werden können. Der LINEAR-Praxisartikel beschreibt genau diese Parametersteuerung als zentralen Hebel: Wer die Parameterstruktur früh definiert, spart sich später mühsames Nacharbeiten.
- Raumparameter im Modell prüfen und gegen den Typenkatalog abgleichen
- Raumtypen konsistent zuweisen (keine Mischformen wie „Büro“ und „Büroraum“ im selben Projekt)
- Exportvorlage mit den benötigten Spalten anwenden
- IFC oder Report generieren und gegen die AIA-Vorgaben prüfen
Allplan von Nemetschek arbeitet ähnlich attributbasiert, punktet aber bei der Integration mit Bauteilkatalogen, wenn TGA-Komponenten schon in der Entwurfsphase mitgeführt werden. ArchiCAD von Graphisoft bietet über Zonen und IFC-Eigenschaften eine vergleichbare Struktur, ist in deutschen TGA-Büros aber seltener das führende Modell, eher ergänzend im Architekturmodell. DDScad ist speziell für die TGA-Fachplanung gebaut und punktet dort, wo es um technische Detailtiefe bei Heizung, Lüftung und Elektro geht. In Kombination mit Erfassungstools wie der Metaroom Scan App lässt sich die Bestandsaufnahme im Umbau beschleunigen, wie Baunetz Wissen am Zusammenspiel von DDScad und Scan-Erfassung zeigt.
Typische Fehlerquellen sind über alle Tools hinweg dieselben: inkonsistente Parameterbezeichnungen zwischen Gewerken, falsche Raumzuweisungen bei nachträglichen Grundrissänderungen und Namenskonventionen, die zwischen Architekt und TGA-Planer nicht abgestimmt sind.
Profi-Tipp: Legen Sie die Exportvorlage nicht pro Projekt neu an, sondern als Büro-Standard. Ein Typenkatalog, der sich zwischen Projekten wiederholt, spart in der Praxis mehr Zeit als jede Software-Funktion.
Wie kommt das Raumbuch ins Facility Management?
Die Übergabe an den Betrieb ist der Punkt, an dem viele Raumbücher scheitern. Nicht weil die Daten fehlen, sondern weil sie im falschen Format oder mit falschen Einheiten ankommen.
Drei Zielformate dominieren in der Praxis: IFC mit der passenden Model View Definition für den strukturierten Datenaustausch, Excel- oder CSV-Reports für Systeme ohne IFC-Import, und direkte SQL- oder Datenbankschnittstellen bei größeren CAFM-Installationen. Der Fraunhofer IFF empfiehlt explizit den IFC-Export als Standardweg zur BIM-Integration, ergänzt durch Dashboards für die laufende Auswertung im Betrieb.
Der Übergabeprozess selbst läuft in vier Schritten:
- Datenvalidierung: Pflichtfelder, Wertebereiche und Einheiten prüfen, bevor irgendetwas exportiert wird
- Mapping: IFC-Eigenschaften auf CAFM-Attribute abbilden, zum Beispiel „Pset_SpaceCommon.NetPlannedArea“ auf das CAFM-Feld „Nutzfläche_geplant“
- Testimport in eine Staging-Umgebung des CAFM-Systems, nicht direkt produktiv
- Freigabeprozess mit Unterschrift oder digitaler Bestätigung durch den Betreiber
Eine Prüfliste vor jedem Export sollte mindestens folgende Punkte abdecken: sind alle Referenzkennzeichen eindeutig, stimmen Datentypen zwischen Modell und Zielformat überein, sind Einheiten konsistent (Quadratmeter versus Quadratfuß kommt in internationalen Projekten öfter vor, als man denkt), und ist jedes Pflichtfeld tatsächlich befüllt.
Wer pflegt das Raumbuch über die HOAI‑Leistungsphasen?
Ein Raumbuch ohne klare Pflegezuständigkeit verwahrlost. Meist irgendwo zwischen Entwurfsplanung und Ausführung, wenn plötzlich niemand mehr weiß, wer die letzte Änderung eingepflegt hat.
Die Grundregel: Der Bauherr oder Betreiber liefert die funktionalen Anforderungen, der BIM-Manager sorgt für die Struktur und Konsistenz im Modell, der TGA-Fachplaner füllt und aktualisiert die technischen Attribute, das Facility Management prüft am Ende auf Betreibertauglichkeit. Über die Fachplanung nach HOAI hinweg verteilen sich diese Aufgaben grob so:
- Leistungsphase 1 bis 2: Grundlagenermittlung und Vorplanung, Raumtypenkatalog entsteht
- Leistungsphase 3 bis 5: Entwurf, Genehmigung, Ausführung, Attribute werden verfeinert und im Modell verankert
- Leistungsphase 6 bis 7: Vergabevorbereitung, Raumbuch wird Teil der Ausschreibungsunterlagen
- Leistungsphase 8 bis 9: Bauüberwachung und Dokumentation, finale Validierung vor Übergabe
Versionierung ist dabei kein Nice-to-have. Jede Änderung braucht ein Änderungslog, und die Rechteverwaltung sollte klar trennen, wer editieren darf und wer nur lesend zugreift. Vertraglich gehört die Vereinbarung der Zielformate zwingend in die AIA, sonst gibt es am Ende des Projekts Streit darüber, wer welches Format liefern muss. Eine klare Kommunikation zwischen den Gewerken verhindert genau diese Konflikte.
Wie prüft man Raumbuch-Daten auf Vollständigkeit?
Ein Raumbuch ohne Prüfregeln ist nur eine Behauptung. Erst die Validierung macht daraus belastbare Planungsgrundlage.
Sinnvolle Prüfregeln umfassen Pflichtfeldchecks (fehlt die Solltemperatur bei einem klimatisierten Raum?), Wertebereichsprüfungen (liegt der Luftwechsel plausibel zwischen 0,5 und 10 pro Stunde?) und Konsistenzchecks zwischen Flächenangabe im Raumbuch und tatsächlicher BIM-Geometrie. Der Soll-Ist-Abgleich, wie ihn openBIM Use Case 11 beschreibt, vergleicht die geforderten Attribute automatisiert gegen das, was tatsächlich im Modell hinterlegt ist.
- Model Checker oder Skripte für regelmäßige automatisierte Prüfläufe einsetzen
- Vergleichende Reports zwischen Planungsständen generieren, statt manuell zu vergleichen
- Ein konkretes Beispiel: Wenn die Solltemperatur eines OP-Raums bei 22 Grad liegt, aber im Modell keine passende Lüftungsanlage zugewiesen ist, muss die Prüfregel das automatisch markieren
Checkliste: So implementieren Sie das Raumbuch im TGA‑Projekt
Genug Theorie. So sieht die praktische Reihenfolge aus, wenn Sie morgen anfangen:
- Raumtypenkatalog definieren, als eigenständige Datei (Raumtypenkatalog.xlsx oder direkt im Modell als Vorlage)
- AIA um die konkreten Raumbuch-Anforderungen ergänzen, inklusive Zielformate
- Modellparametrik prüfen, alle Attribute konsistent benannt und mit Einheit versehen
- Exportmapping erstellen, das IFC-Properties auf CAFM-Felder abbildet
- Interne Testläufe mit einem kleinen Raumkontingent, nicht gleich mit dem ganzen Projekt
- Übergabe an CAFM mit klarem Freigabeprozess und Akzeptanzkriterien
Jeder Schritt liefert ein konkretes Ergebnis: die Attributliste, das Exportmapping, den validierten Testimport. Ohne diese Deliverables bleibt die Checkliste eine Absichtserklärung.
Praxisnote: Wie IET-Hamburg GmbH das Raumbuch in der Elektroplanung umsetzt
In der Elektroplanung entscheidet das Raumbuch früh über die Kabelwege, die Steckdosenanzahl je Arbeitsplatz und die Beleuchtungsstärke, die später abgenommen wird. IET-Hamburg GmbH startet deshalb mit einem Kickoff gemeinsam mit dem Betreiber, noch vor der eigentlichen Entwurfsplanung.

Daraus entsteht der Raumtypenkatalog, der dann in der Parametrisierung im Modell hinterlegt wird. Erst danach folgt die Validierung gegen die Anforderungen aus der AIA, bevor die Daten an das Facility Management übergeben werden.
Konkret liefert IET-Hamburg GmbH dabei die Attributdefinition für elektrotechnische Größen (Steckdosenbedarf, Beleuchtungsstärke, Anschlusswerte), das Exportmapping in Richtung CAFM und die Prüfregeln für den Soll-Ist-Abgleich. Die Elektroplanung begleitet dabei jede HOAI-Leistungsphase, von der Grundlagenermittlung bis zur Bauüberwachung, damit das Raumbuch nicht am Ende der Baustelle zur Notlösung wird.
Persönliche Einschätzung eines erfahrenen TGA‑Fachplaners
Reihenfolge entscheidet. Erst Typen und Attribute klären, dann Vollständigkeit anstreben, nicht umgekehrt. Ein schlankes Set an Pflichtfeldern, das wirklich gepflegt wird, schlägt jedes überladene Excel-Monster, das nach drei Monaten niemand mehr aktualisiert.
Projekte scheitern selten an der Software. Sie scheitern, weil die AIA die Zielformate nie konkret festgelegt hat, und dann bei der Übergabe plötzlich Streit herrscht.
Kurz: Wie IET-Hamburg GmbH konkret unterstützen kann
Ein Raumbuch, das später im Betrieb funktioniert, entsteht nicht durch Nachbessern am Ende, sondern durch klare Attributdefinition von Anfang an, genau da, wo viele Elektroplanungen in Eigenregie ins Stocken geraten.

IET-Hamburg GmbH übernimmt für Sie die Attributdefinition, die Modell-Parametrisierung, das Exportmapping in Richtung CAFM, die Prüfregeln für den Soll-Ist-Abgleich und die Begleitung bei der AIA-Formulierung, damit die Übergabe an den Betrieb nicht zur Improvisation wird. Anders als bei vielen Fachplanern, die das Raumbuch nebenbei mitführen, ist die Struktur bei uns von der Grundlagenermittlung an mitgedacht. Wenn Sie ein laufendes Projekt haben, bei dem die TGA-Attribute noch offen sind, lohnt sich ein kurzer Blick auf unsere Fachplanung nach HOAI oder direkt der Kontakt für eine Angebotsanfrage zur Projektprüfung.
Quellen
- Anwendungsfall 11: BIM‑Raumbuch / Anlagenbuch ‣ openBIM KnowledgeBase
- VDI 6070 Blatt 1 – Raumbuch: Allgemeine Anforderungen und Grundlagen
- VDI 6070 Blatt 1 – 2024-06 – DIN Media
- Das Raumbuch als Werkzeug im Planungsprozess – LINEAR
FAQ
Was gehört alles in ein Raumbuch?
Ein vollständiges Raumbuch enthält Raumidentifikation, funktionale Angaben, TGA-Attribute wie Solltemperatur und Luftwechsel, Ausstattungslisten sowie Metadaten zu Verantwortlichkeit und Prüfstatus.
Was ist ein Raumbuch?
Ein Raumbuch ist ein raumbezogenes Anforderungs- und Dokumentationsmodell, das alle relevanten Bau- und Ausstattungsdaten je Raum strukturiert erfasst und über den Lebenszyklus fortschreibt.
Was gehört alles zur TGA‑Planung?
Die TGA-Planung umfasst Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro, wobei das Raumbuch als zentrales Attributmodell die raumspezifischen Anforderungen für alle vier Gewerke bündelt.
Wie erstellt man ein Raumbuch?
Man beginnt mit einem Raumtypenkatalog, definiert die Attribute je Typ, pflegt diese im BIM-Modell mit Werkzeugen wie Revit oder DDScad und validiert sie vor der Übergabe an das Facility Management.