Selektivität von Schutzorganen: Regeln für sichere Planung

Selektivität heißt: Wenn irgendwo im Netz ein Fehler auftritt, löst nur das Schutzorgan direkt vor dieser Fehlerstelle aus. Alles davor bleibt stehen, der Rest des Gebäudes läuft weiter. Klingt banal, ist aber der Punkt, an dem viele Planungen in der Praxis scheitern, weil zwei falsch gestaffelte Sicherungen gleichzeitig fallen und ein ganzes Treppenhaus dunkel wird, obwohl nur eine Steckdose einen Kurzschluss hatte.

Für die Praxis reichen ein paar klare Zahlen. Bei Schmelzsicherungen der gleichen Gebrauchsklasse (gG zu gG) gilt: Das Nennstromverhältnis zwischen vorgeschalteter und nachgeschalteter Sicherung muss mindestens 1,6 betragen, das entspricht in der Praxis meist zwei Nennstromstufen Unterschied. Bei Leitungsschutzschaltern reicht eine einfache Nennstromstaffelung nicht aus, hier ist der Kennlinienvergleich der Hersteller notwendig. Und bei RCDs gilt eine andere Größenordnung: das Verhältnis 3:1 zwischen vorgelagertem und nachgelagertem Bemessungsdifferenzstrom, oder ein selektiver Typ S vor einem normalen Typ A.

Für Architekten und Planer, die Selektivität von Schutzorganen im Rahmen ihrer Elektroplanung bewerten müssen, sind vier Dinge entscheidend:

  • Die Definition ist eindeutig: nur das Organ unmittelbar vor der Fehlerstelle löst aus.
  • Die Nennstromregel für Sicherungen ist konkret: Faktor 1,6 oder größer.
  • Der Nachweis läuft über DIN VDE 0100 und Hersteller-Selektivitätstabellen, nicht über Bauchgefühl.
  • Die Prüfpflicht verlangt eine Kurzschlussstromberechnung, ohne die jede Selektivitätsaussage in der Luft hängt.

Profi-Tipp: Frag beim Hersteller nicht nur nach der Kennlinie, sondern explizit nach der freigegebenen Selektivitätsgrenze in Ampere. Viele Datenblätter verschweigen, ab welchem Kurzschlussstrom die Selektivität kippt.

Selektivität gilt immer nur bis zu einem maximalen Kurzschlussstrom. Oberhalb eines bestimmten maximalen Kurzschlussstroms ist die vollständige Selektivität nicht mehr gegeben, und genau das übersehen viele Planungen, weil sie sich auf die Nennstromstaffelung verlassen und die reale Netzimpedanz nie nachrechnen.

IET-Hamburg GmbH bringt für genau diesen Punkt die Fachplanung mit: Kurzschlussstromberechnung, Kennlinienabgleich mit Herstellerdaten und ein dokumentierter Selektivitätsnachweis, der in der Ausführungsplanung Bestand hat.

Selektivität von Schutzorganen funktioniert nur, wenn Nennstromstaffelung, Kennlinienvergleich und Kurzschlussstromberechnung gemeinsam geprüft und dokumentiert werden.

ThemaDetails
Definition der SelektivitätNur das Schutzorgan direkt vor der Fehlerstelle darf auslösen, alles andere bleibt in Betrieb.
Faustregel SicherungenNennstromverhältnis vorgeschaltet zu nachgeschaltet mindestens 1,6, meist zwei Normstufen Abstand.
RCD-StaffelungVerhältnis 3:1 oder Typ S vorgeschaltet, echte 30-mA-Selektivität ist praktisch nicht üblich.
Grenze der SelektivitätGilt nur bis zu einem definierten Kurzschlussstrom, oberhalb kippt der Nachweis.
Unterstützung durch IET-Hamburg GmbHÜbernimmt Kurzschlussberechnung, Kennlinienabgleich und Nachweisdokumentation als eigene Planungsleistung.

Strahlnetz oder Ringnetz: Warum die Netzform über Selektivität entscheidet

In einem klassischen Strahlnetz ist Selektivität planbar bis fast schon banal: Der Strom fließt in eine Richtung, die Staffelung der Schutzorgane folgt der Leitungslänge, und du kannst mit Kennlinien relativ sauber rechnen. In vermaschten Netzen oder Ringstrukturen wird es kniffliger. Der Fehlerstrom kann aus zwei Richtungen kommen, die Impedanzverhältnisse ändern sich je nach Schaltzustand, und plötzlich reicht die einfache Zeit-Strom-Betrachtung nicht mehr.

Drei Werte bestimmen, ob Selektivität überhaupt erreichbar ist:

  • Die Netzimpedanz am Einspeisepunkt (liefert der Netzbetreiber, oft als Kurzschlussleistung in kVA).
  • Die Leitungsimpedanzen zwischen den Schutzorganen, abhängig von Querschnitt und Länge.
  • Der resultierende Kurzschlussstrom Ik am jeweiligen Einbauort, sowohl minimal als auch maximal.

Profi-Tipp: Verlang bei größeren Objekten immer zwei Ik-Werte vom Netzbetreiber: den minimalen (für die Abschaltbedingungen) und den maximalen (für die Selektivitätsprüfung). Wer nur einen Wert bekommt, rechnet mit halben Informationen.

NetzformSelektivität planbar?Typischer Prüfaufwand
StrahlnetzMeist gut planbarKennlinienvergleich reicht oft
Vermaschtes Netz / RingDeutlich komplexerZusätzliche Impedanzberechnung nötig

Ohne belastbare Kurzschlussstromberechnung bleibt jede Selektivitätsaussage Theorie. Die Netzform bestimmt), wie viel Rechenaufwand du wirklich betreiben musst, bevor du eine Ausschreibung mit „selektiv“ beschriften darfst.

Was unterscheidet Stromselektivität von Zeitselektivität?

Stromselektivität funktioniert über unterschiedliche Auslöseströme. Zwei Sicherungen mit verschiedenen I²t-Werten reagieren bei gleichem Fehlerstrom unterschiedlich schnell, die kleinere fliegt zuerst. Zeitselektivität dagegen arbeitet mit bewusst gestaffelten Verzögerungszeiten: Das vorgeschaltete Organ bekommt eine längere Ansprechzeit eingestellt, damit dem nachgeschalteten Zeit bleibt, selbst auszulösen.

In der Praxis dominiert bei kleinen Überstromfällen meist die Zeitselektivität, weil die Ströme nah beieinanderliegen und nur die Zeitstaffelung trennt. Bei satten Kurzschlüssen dagegen greift oft die Stromselektivität, weil die Ströme so hoch sind, dass die Auslösecharakteristik selbst entscheidet.

  1. Kleiner Überstrom, ähnliche Stromwerte vorne und hinten: Zeitselektivität notwendig.
  2. Satter Kurzschluss, große Stromdifferenz: Stromselektivität reicht oft aus.
  3. Grenzfall im mittleren Bereich: Nur Kennlinienüberlagerung zeigt, wo die Grenze liegt.

Bei RCDs gilt ein eigenes Regime. Die 3:1-Faustregel (vorgelagerter Bemessungsdifferenzstrom mindestens dreimal so groß wie der nachgelagerte) funktioniert, ein Typ S vor einem Typ A ebenfalls. Was praktisch kaum funktioniert: zwei 30-mA-RCDs selektiv hintereinander zu staffeln. Das gibt die Normlage schlicht nicht her.

Profi-Tipp: Bei Bestandsobjekten mit vermuteter Reihenschaltung mehrerer 30-mA-RCDs lohnt sich ein kurzer Check vor Ort. Häufig steckt da keine geplante Selektivität dahinter, sondern nachträglich verbaute Zusatzschutzgeräte ohne Abstimmung.

Welche Faustregeln gelten für die Planungspraxis?

  1. Sicherungen gleichen Typs: Nennstromverhältnis vorgeschaltet zu nachgeschaltet mindestens 1,6, idealerweise zwei Normstufen Abstand.
  2. Leitungsschutzschalter: Reine Nennstromabstufung genügt nicht. Hersteller-Kennlinienvergleich ist Pflicht, gerade bei Kurzschlussfällen mit hoher Auslösegeschwindigkeit.
  3. RCDs: 3:1-Verhältnis oder Typ S vorgeschaltet. Bei Baustromverteilern (CEE) ist das oft der Knackpunkt, weil dort selten genug Platz für gestaffelte Differenzströme eingeplant wird.
  4. Kurzschlussstrom prüfen: Jede Selektivitätsaussage gilt nur bis zu einem definierten Grenzstrom. Wird dieser überschritten, kippt die Selektivität, egal was auf dem Datenblatt steht.

Was viele Planer nicht wissen: Zwei Nennstromstufen Unterschied bei Sicherungen entsprechen in der Regel automatisch dem 1,6-Faktor, weil die Normreihe (16, 20, 25, 32, 40, 50, 63 Ampere…) genau so gestaffelt ist. Das macht die Faustregel im Alltag angenehm einfach anzuwenden, ersetzt aber nicht den Blick in die Kennlinie bei kritischen Fällen.

  • Nennstromstufen der Normreihe im Kopf behalten, dann geht die 1,6er-Prüfung fast nebenbei.
  • Bei Mischbestückung (Sicherung vor LS oder umgekehrt) niemals mit der Faustregel rechnen, immer Herstellerdaten anfragen.

So prüfst du Selektivität in der eigenen Planung

Die kurze Antwort zuerst: Selektivität weist du über die Kombination aus Kurzschlussstromberechnung und Kennlinienvergleich nach, gestützt auf Herstellerdaten, nicht auf Annahmen.

  1. Kurzschlussstrom Ik am netzfernsten Punkt der betrachteten Strecke berechnen (minimal und maximal).
  2. Kennlinien der betroffenen Schutzorgane beim Hersteller anfordern, inklusive Toleranzbändern.
  3. Zeit-Strom-Kurven übereinanderlegen oder die passende Selektivitätstabelle des Herstellers prüfen.
  4. Den Selektivitätsgrenzstrom bestimmen, also den Punkt, an dem die Selektivität kippt.

Ein vereinfachtes Beispiel: Vorgeschaltet ist eine 63-A-gG-Sicherung, nachgeschaltet eine 16-A-gG-Sicherung. Das Nennstromverhältnis liegt bei 3,9, weit über dem geforderten Faktor 1,6. Bei einem berechneten Kurzschlussstrom von 800 Ampere am Fehlerort greift die 16-A-Sicherung deutlich vor der 63-A-Sicherung. Wird der Kurzschlussstrom aber auf 4.000 Ampere hochgerechnet, weil die Leitungslänge kürzer oder der Querschnitt größer ausfällt, lohnt sich der Blick in die Herstellertabelle, denn ab bestimmten Stromwerten überlappen auch großzügig gestaffelte Sicherungen in ihrer Auslösezeit.

PrüfschrittBeispielwertBemerkung
Nennstrom vorgeschaltet63 A gGNormstufe
Nennstrom nachgeschaltet16 A gGNormstufe
Nennstromverhältnis3,9Über Mindestfaktor 1,6
Angenommener Ik am Fehlerort800 ABeispielwert, projektabhängig

Profi-Tipp: Fordere Herstellerfreigaben und Testdaten immer schriftlich an, nicht nur mündlich vom Außendienst. Bei Unsicherheit lohnt sich eine Simulation oder ein Prüfstandstest, gerade bei ungewöhnlichen Gerätekombinationen.

So prüfst du Selektivität in der eigenen Planung — overview diagram

Ein Vergleich zwischen reiner Nennstromstaffelung und echtem Kennlinienabgleich zeigt den Unterschied in der Aussagekraft:

MethodeAussagekraftWann ausreichend
Nennstromstaffelung (1,6er-Regel)Grobe FaustregelNur bei gleichartigen Sicherungen
KennlinienvergleichBelastbarer NachweisBei Leitungsschutzschaltern zwingend
  • Kennlinienvergleich immer bei gemischten Gerätetypen einsetzen.
  • Faustregel nur als erste Grobabschätzung, nie als alleinigen Nachweis in der Ausführungsplanung.

Was tun, wenn keine vollständige Selektivität erreichbar ist?

Ganz klar: Wenn Vollselektivität technisch nicht drin ist, heißt das nicht, dass du die Planung einfach so durchwinken kannst. Dokumentieren, alternative Maßnahmen festlegen, fertig ist die Sache nicht.

Konkrete Maßnahmen, die in der Praxis funktionieren:

  • Selektive Vorsicherungen (NH-Sicherungen) mit definierter Begrenzungswirkung einsetzen.
  • Selektive Leitungsschutzschalter (Typ S) dort verbauen, wo die Zeitverzögerung technisch sinnvoll ist.
  • I²t-begrenzende Sicherungen vorschalten, um die Energie im Fehlerfall zu deckeln.
  • Kommunizierende Schutzeinrichtungen oder Relais einsetzen, wenn die Anlage das hergibt und das Budget mitspielt.
  • Leitungsdimensionierung anpassen, um den Kurzschlussstrom am kritischen Punkt zu senken.

Die Entscheidung zwischen echtem Umbau und einem tragbaren Kompromiss (Teilselektivität plus Ersatzkonzept) hängt vom Schutzziel ab. Bei einem Bürogebäude mit unkritischer Nutzung reicht oft eine dokumentierte Teilselektivität mit klarer Meldekette. Bei einem Krankenhaus oder Rechenzentrum ist das kein Kompromiss, den du eingehen willst.

Back-up-Kombinationen aus vorgeschaltetem und nachgeschaltetem Gerät müssen ausdrücklich vom Hersteller freigegeben sein. Ohne diese Freigabe drohen Mehrfachauslösung oder im schlimmsten Fall die Zerstörung des nachgeschalteten Geräts, ein Risiko, das viele Planer schlicht unterschätzen, weil auf dem Papier alles passt.

Profi-Tipp: Verlang bei Backup-Konzepten immer die konkrete Typenkombination im Freigabedokument, nicht nur eine allgemeine Formulierung wie „geeignet für Reihenschaltung“.

Checkliste für Ausschreibung und Vergabe: Was gehört rein?

Bevor die Ausführungsplanung in die Vergabe geht, sollte diese Liste abgehakt sein, kein Punkt ausgelassen:

  • Ik-Werte vom Netzbetreiber (minimal und maximal) liegen schriftlich vor.
  • Hersteller-Kennlinien und Selektivitätstabellen für alle relevanten Schutzorgane sind angefordert.
  • Der Selektivitätsgrenzstrom ist für jede kritische Schnittstelle dokumentiert.
  • RCD-Typen und deren Staffelung (3:1 oder Typ S) sind im Schaltplan vermerkt.
  • Prüfprotokolle und Freigabedokumente der Hersteller liegen als Anlage vor.

Fragen, die in die Leistungsbeschreibung gehören:

  1. Welche Ik-Werte liefert der Netzbetreiber für den betrachteten Anschlusspunkt?
  2. Welche Selektivitätstabellen stellt der Hersteller für die konkrete Gerätekombination bereit?
  3. Werden zusätzliche Herstellertests oder Simulationen verlangt, wenn die Kennlinie keine eindeutige Aussage zulässt?

Der Selektivitätsnachweis gehört als Planungsleistung explizit in die Leistungsphasen der Ausführungsplanung, typischerweise ab Leistungsphase 6 bis in die Bauüberwachung nach Leistungsphase 8 hinein, wo die tatsächlich verbauten Geräte noch einmal gegen die Planung geprüft werden müssen.

Profi-Tipp: Verankere die Freigabepflicht vertraglich: Wer haftet, wenn eine nachträglich getauschte Sicherung die Selektivität kippt? Diese Frage sollte nicht erst nach dem ersten Kurzschluss auf dem Tisch liegen.

Rechenbeispiel: Selektivität zwischen Sicherung und vorgeschaltetem Schalter

Kurz das Ergebnis vorweg: Erst wenn Kurzschlussstrom, Nennstromstufen und Kennlinien zusammen betrachtet werden, steht ein belastbarer Nachweis. Einzeln betrachtet sagt keiner der drei Werte genug aus.

Angenommen, am Einbauort liegt ein maximaler Kurzschlussstrom von 3.000 Ampere vor. Vorgeschaltet sitzt eine 63-A-Sicherung, nachgeschaltet eine 16-A-Sicherung.

ParameterWertKommentar
Kurzschlussstrom Ik3.000 ABeispielwert am Einbauort
Vorgeschaltete Sicherung63 AgG-Charakteristik
Nachgeschaltete Sicherung16 AgG-Charakteristik
Nennstromverhältnis3,9Über Faktor 1,6
  1. Nennstromverhältnis berechnen: 63 geteilt durch 16 ergibt 3,9, klar über dem geforderten Faktor 1,6.
  2. Kennlinien beider Sicherungen bei 3.000 Ampere ablesen: Die 16-A-Sicherung muss deutlich schneller auslösen als die 63-A-Sicherung.
  3. Sicherheitsabstand in der Auslösezeit prüfen, nicht nur im Nennstrom.
  4. Ergebnis dokumentieren, inklusive der Kennlinienquelle und des angenommenen Ik-Werts.

Profi-Tipp: Trag die Kennlinien beider Geräte im gleichen Diagramm auf log-log-Skala auf. Überschneiden sich die Kurven im relevanten Strombereich nicht, ist die Selektivität sauber nachgewiesen. Überschneiden sie sich doch, brauchst du entweder eine größere Nennstromdifferenz oder ein anderes Gerätepaar.

Wichtiger Caveat: Dieses Beispiel ist bewusst vereinfacht. In der echten Planung sind Herstellerdaten und Prüftabellen bindend, kein Nennstromverhältnis ersetzt den tatsächlichen Kennlinienabgleich bei kritischen Projekten.

Rechenbeispiel: Selektivität zwischen Sicherung und vorgeschaltetem Schalter — overview diagram

Wie IET-Hamburg GmbH Planer bei Selektivitätsnachweisen unterstützt

Kurz gesagt: IET-Hamburg GmbH übernimmt Kurzschlussberechnung, Kennlinienauswertung, Herstellerkoordination und die komplette Dokumentation als eigenständige Planungsleistung, eingebettet in die reguläre Fachplanung Elektrotechnik.

Die Leistungen im Überblick:

  • Kurzschlussstromberechnung an allen relevanten Punkten der Anlage.
  • Auswertung der Hersteller-Kennlinien und Abgleich mit den geforderten Schutzzielen.
  • Erstellung des Selektivitätsnachweises als Bestandteil der Ausführungsplanung.
  • Formulierung von Ausschreibungstexten, die Selektivität konkret einfordern statt vage zu bleiben.
  • Objektüberwachung, damit die geplante Selektivität auch nach dem Materialtausch auf der Baustelle noch stimmt.

Ein typischer Ablauf bei einem Mehrfamilienhaus: Der Netzbetreiber liefert einen hohen Ik-Wert am Hausanschluss, die Bestandsplanung hatte nur eine grobe Nennstromstaffelung vorgesehen. Nach Prüfung der Herstellerkennlinien stellt sich heraus, dass zwei Etagenverteilungen bei satten Kurzschlüssen gleichzeitig auslösen würden. Die Lösung: ein anderer Sicherungstyp im Etagenverteiler plus eine dokumentierte Freigabe des Herstellers für die neue Kombination. Ergebnis: nachweisbare Selektivität, ohne dass die gesamte Steigleitung neu dimensioniert werden musste.

Herstellertabellen sind verbindlich für Prüf- und Nachweiszwecke. Wer sie erst nach der Ausführungsplanung anfordert, riskiert teure Nachbesserungen.

Profi-Tipp: Bind die Selektivitätsprüfung schon in der Entwurfsplanung ein, nicht erst kurz vor der Ausführung. Nachträgliche Korrekturen an der Sicherungsstaffelung kosten in der Bauphase deutlich mehr als am Reißbrett.

Bei Fragen zur konkreten Umsetzung steht das Team über die Kontaktseite bereit.

Warum Selektivität in der Praxis oft zu spät gedacht wird

Die ehrliche Einschätzung: Selektivität wird in den meisten Projekten als Nebensache behandelt, ein Kästchen zum Abhaken irgendwo zwischen Netzform und Schutzklasse. Das ist der Fehler. Selektivität entscheidet darüber, ob ein einzelner Fehler in einer Steckdose das ganze Gebäude lahmlegt oder eben nicht, und diese Entscheidung fällt am Reißbrett, nicht auf der Baustelle.

Was die Branche unterschätzt: Die 1,6er-Faustregel ist bequem, aber sie gilt nur für gleichartige Sicherungen. Sobald Leitungsschutzschalter, RCDs oder gemischte Gerätetypen ins Spiel kommen, ersetzt keine Faustregel den echten Kennlinienabgleich. Wer trotzdem nur mit der Nennstromstufe rechnet, handelt sich ein Risiko ein, das erst beim ersten satten Kurzschluss sichtbar wird, dann meist teuer.

Der zweite blinde Fleck: Herstellerfreigaben werden zu oft mündlich eingeholt oder gar nicht. Dabei ist genau das der Punkt, an dem Haftungsfragen entstehen, wenn später etwas schiefgeht. Wer als Planer auf Nummer sicher gehen will, verlangt die Freigabe schriftlich und dokumentiert den gesamten Nachweis so, dass er auch fünf Jahre später noch nachvollziehbar ist. Genau diese Sorgfalt ist es, die Fachplanungsbüros wie IET-Hamburg GmbH von der schnellen Nennstromstaffelung aus dem Handbuch unterscheidet.

Selektivitätsprüfung als Planungsleistung beauftragen

Wer die Selektivität seiner Schutzorgane nicht nur grob abschätzen, sondern nachweisbar dokumentieren will, kann das als eigenständiges Leistungspaket beauftragen, statt es nebenbei in der allgemeinen Elektroplanung untergehen zu lassen. IET-Hamburg GmbH übernimmt das komplette Paket: Kurzschlussberechnung, Kennlinienprüfung, Abstimmung mit den Herstellern und die fertige Nachweisdokumentation für die Ausführungsplanung.

IET-Hamburg GmbH

Der Leistungsumfang im Überblick: Berechnung des Kurzschlussstroms an allen kritischen Punkten, Auswertung und Abgleich der Hersteller-Kennlinien, Koordination mit Netzbetreiber und Geräteherstellern, sowie die Abrechnung nach den üblichen HOAI-Leistungsphasen, sodass sich der Aufwand nahtlos in bestehende Honorarstrukturen einfügt. Anders als eine reine Nennstromstaffelung nach Faustregel liefert dieser Ansatz einen Nachweis, der auch bei einer späteren Prüfung durch Sachverständige oder Versicherer Bestand hat.

Wer ein konkretes Projekt plant, findet auf der Seite zur Elektroplanung den Einstieg, und ein kurzes Erstgespräch klärt meist schon, welcher Prüfumfang für das jeweilige Gebäude sinnvoll ist.

Quellen

Wer tiefer einsteigen will, kommt an diesen Anlaufstellen kaum vorbei:

Am sinnvollsten ist es, zuerst die Herstellerdaten für die konkret geplanten Geräte anzufordern und erst danach die Theorie zur Einordnung zu nutzen, nicht umgekehrt. Wer mit der Theorie anfängt und die Herstellertabelle erst am Ende prüft, muss oft die halbe Planung wieder aufrollen.

FAQ

Was bedeutet Selektivität bei Schutzorganen genau?

Selektivität bedeutet, dass bei einem Fehler nur das Schutzorgan unmittelbar vor der Fehlerstelle auslöst, alle vorgeschalteten Sicherungen oder Schalter bleiben aktiv.

Welche Faustregel gilt für Sicherungen?

Bei gleichartigen Schmelzsicherungen (gG zu gG) gilt Selektivität als gegeben, wenn das Nennstromverhältnis vorgeschaltet zu nachgeschaltet mindestens 1,6 beträgt.

Reicht die Nennstromstaffelung bei Leitungsschutzschaltern aus?

Nein. Bei Leitungsschutzschaltern ist ein Vergleich der Hersteller-Kennlinien zwingend nötig, eine einfache Nennstromabstufung reicht nicht als Nachweis.

Wie funktioniert Selektivität bei RCDs?

Über die 3:1-Regel beim Bemessungsdifferenzstrom oder durch den Einsatz eines Typ-S-RCD vorgeschaltet zu einem normalen Typ A.

Was tun, wenn Vollselektivität nicht erreichbar ist?

Die fehlende Selektivität dokumentieren und Ersatzmaßnahmen wie selektive Vorsicherungen, Typ-S-Schutzschalter oder eine angepasste Leitungsdimensionierung prüfen. IET-Hamburg GmbH unterstützt bei der technischen Bewertung solcher Kompromisslösungen.

Wer erstellt den Selektivitätsnachweis in der Ausführungsplanung?

Der Nachweis gehört als eigenständige Leistung in die Fachplanung Elektrotechnik, üblicherweise ab Leistungsphase 6 bis in die Bauüberwachung hinein.

Empfehlungen

Inhaltsverzeichnis